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Das Ende
(90.-100.Tag)
Mit
Syrien habe ich meinen letzten Schurkenstaat hinter mir gelassen und
verlasse nun die Achse des Bösen, biege scharf links ab und
fahre entlang der türkischen Riviera Richtung altes Europa.
Ich
erreiche die Türkei auf einer kleinen
forstwegähnlichen
Straße,
die durch einen dichten Wald führt. Obwohl es wieder
regnet und es bitter kalt ist, erfreue ich mich an den heimatlichen
Herbst- und Waldgerüchen. Doch ewig hält
dieses
Glücksgefühl nicht an, da die Regenpausen immer
länger
werden und mein Tagesziel schließlich in unerreichbare Ferne
rückt. Als dann ein kleines Städtchen im Nebel
auftaucht,
mache ich am erstbesten Imbissrestaurant halt und bestelle mir etwas
Warmes zu essen. Trotz sprachlicher Probleme (man sprich
plötzlich
kein arabisch mehr) bekomme ich ein tolles
Essen serviert und überdies ein Holzkohleöfchen vor
die
Füße geschoben. Mehrere Männer gesellen
sich zu mir,
bieten mir Tee an und diskutieren schließlich nach dem
üblichen Wohin-fährst-du-woher-kommst-du mein
Übernachtungsproblem. Nach einem kurzen Telefonat ist alles
klar:
Ich kann in der Schule am Rande des Dorfes übernachten. Der
Wirt
bringt mich, nachdem ich aufgewärmt und gesättigt
bin,
persönlich dort hin. Und so komme ich an meinem ersten
Türkeitag doch noch zu einem trockenen Schlafplatz.

Am
nächsten Tag steht wieder eine Bergetappe auf dem Programm.
Gott-Lob spielt das Wetter mit. Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau,
doch die Luft bleibt frisch. Kein Wunder, muss ich doch einen Pass
erklimmen, an dessen Fuß ein Verkehrsschild
empfiehlt, Schneeketten zu benutzen. Doch die Straße bleibt trocken, wenngleich
tatsächlich auf den Berggipfeln zu beiden Seiten von mir
Schnee liegt. Nach einer viel zu kurzen rasanten Abfahrt erreiche ich
Iskenderun, die Hafenstadt am Mittelmeer. Hier unten ist das Klima
wieder mild und frühlingshaft warm und lässt Bestes
hoffen.

Der
Rest ist schnell erzählt. Entlang der Küste soll es
nun noch bis Antalya gehen, dem Endpunkt meiner Radtour. Von hier will
ich nach Deutschland fliegen.
Das
Ziel so nahe vor Augen, drehe ich die letzten Tage noch einmal voll
auf. 140km - 160km spule ich täglich ab, obwohl es zwischen
Adana und Alanya noch einmal richtig hügelig wird. Aber das
macht nichts. Die Landschaft und die Straße sind ein Traum: Kaum Verkehr und Serpentinen mit
knackigen Anstiegen und flotten Abfahren ohne Ende; mal hoch oben auf
den waldigen Klippen, mal unten am tiefblauen Meer entlang Bananen- und
Orangenplantagen.

Die
Städte Alanya, Side oder Antalya sind mit ihren
unzähligen Betonhotels leider eher ein Albtraum. Da passt es
dann auch, dass das Wetter wieder mies wird. Aber ich fühle
mich genauso, als ich nach fast 5.200 km auf den Hof meines letzten
Hotels rolle. Ich bin da! Mein Ziel ist erreicht - nach über
drei Monaten auf der Strasse. Es wird keine nächste Etappe
mehr geben, kein Tagesziel, keine Vorbereitungen und Vorfreuden mehr.
Meine Reise ist hier zu Ende.
Das
war gestern. Heute habe ich mein Flugticket gekauft und morgen bereits
beginnt meine neue große Herausforderung: Leben in
Deutschland.

Antalya,
der 99. Tag (16.1.2005)
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Epilog
Ganz
zum Schluss möchte ich mich herzlich bedanken, bei...
...
allen, die mir die vielen aufmunternden Emails während meiner
Reise
zugesandt haben.
...
meinen prima Reifen, die mich 5.200 km über Stock und Stein
geleitet
haben, ohne dass ihnen jemals die Luft
ausging.
...
den ägyptischen Lastwagenfahrern, die mich letztendlich doch
am Leben
ließen.
...
meinem ständigen Begleiter, dem Gegenwind, sowie den vielen
Bergen und
Hügeln, die mich 10 Kilogramm
an Körperfett verlieren ließen.
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