Türkei________                                                                _      __

                                                                                   7.1. - 17.1.2005

 

 

Das Ende (90.-100.Tag)

 

Mit Syrien habe ich meinen letzten Schurkenstaat hinter mir gelassen und verlasse nun die Achse des Bösen, biege scharf links ab und fahre entlang der türkischen Riviera Richtung altes Europa.

Ich erreiche die Türkei auf einer kleinen forstwegähnlichen Straße, die durch einen dichten Wald führt. Obwohl es wieder regnet und es bitter kalt ist, erfreue ich mich an den heimatlichen Herbst- und Waldgerüchen. Doch ewig hält dieses Glücksgefühl nicht an, da die Regenpausen immer länger werden und mein Tagesziel schließlich in unerreichbare Ferne rückt. Als dann ein kleines Städtchen im Nebel auftaucht, mache ich am erstbesten Imbissrestaurant halt und bestelle mir etwas Warmes zu essen. Trotz sprachlicher Probleme (man sprich plötzlich kein arabisch mehr) bekomme ich ein tolles Essen serviert und überdies ein Holzkohleöfchen vor die Füße geschoben. Mehrere Männer gesellen sich zu mir, bieten mir Tee an und diskutieren schließlich nach dem üblichen Wohin-fährst-du-woher-kommst-du mein Übernachtungsproblem. Nach einem kurzen Telefonat ist alles klar: Ich kann in der Schule am Rande des Dorfes übernachten. Der Wirt bringt mich, nachdem ich aufgewärmt und gesättigt bin, persönlich dort hin. Und so komme ich an meinem ersten Türkeitag doch noch zu einem trockenen Schlafplatz.

 

 

Am nächsten Tag steht wieder eine Bergetappe auf dem Programm. Gott-Lob spielt das Wetter mit. Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau, doch die Luft bleibt frisch. Kein Wunder, muss ich doch einen Pass erklimmen, an dessen Fuß ein Verkehrsschild empfiehlt, Schneeketten zu benutzen. Doch die Straße bleibt trocken, wenngleich tatsächlich auf den Berggipfeln zu beiden Seiten von mir Schnee liegt. Nach einer viel zu kurzen rasanten Abfahrt erreiche ich Iskenderun, die Hafenstadt am Mittelmeer. Hier unten ist das Klima wieder mild und frühlingshaft warm und lässt Bestes hoffen.

 

 

Der Rest ist schnell erzählt. Entlang der Küste soll es nun noch bis Antalya gehen, dem Endpunkt meiner Radtour. Von hier will ich nach Deutschland fliegen.

Das Ziel so nahe vor Augen, drehe ich die letzten Tage noch einmal voll auf. 140km - 160km spule ich täglich ab, obwohl es zwischen Adana und Alanya noch einmal richtig hügelig wird. Aber das macht nichts. Die Landschaft und die Straße sind ein Traum: Kaum Verkehr und Serpentinen mit knackigen Anstiegen und flotten Abfahren ohne Ende; mal hoch oben auf den waldigen Klippen, mal unten am tiefblauen Meer entlang Bananen- und Orangenplantagen.

 

 

Die Städte Alanya, Side oder Antalya sind mit ihren unzähligen Betonhotels leider eher ein Albtraum. Da passt es dann auch, dass das Wetter wieder mies wird. Aber ich fühle mich genauso, als ich nach fast 5.200 km auf den Hof meines letzten Hotels rolle. Ich bin da! Mein Ziel ist erreicht - nach über drei Monaten auf der Strasse. Es wird keine nächste Etappe mehr geben, kein Tagesziel, keine Vorbereitungen und Vorfreuden mehr. Meine Reise ist hier zu Ende.

 

Das war gestern. Heute habe ich mein Flugticket gekauft und morgen bereits beginnt meine neue große Herausforderung: Leben in Deutschland.

 

 

Antalya, der 99. Tag (16.1.2005)

 

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Epilog

 

Ganz zum Schluss möchte ich mich herzlich bedanken, bei...

 

... allen, die mir die vielen aufmunternden Emails während meiner Reise
    zugesandt haben.

 

... meinen prima Reifen, die mich 5.200 km über Stock und Stein geleitet
    haben, ohne dass ihnen jemals die Luft ausging.

 

... den ägyptischen Lastwagenfahrern, die mich letztendlich doch am Leben
    ließen.

 

... meinem ständigen Begleiter, dem Gegenwind, sowie den vielen Bergen und
    Hügeln, die mich 10 Kilogramm an Körperfett verlieren ließen.