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Bevor ich über Jordanien berichte,
möchte/muss ich noch auf ein paar Anfragen eingehen, die mich
per Email erreichten.
(Das sollte eigentlich bereits zum
Ägypten-Upload geschehen, aber ich hab's vergessen. Sorry!)
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Leserbriefe
1. Die Wasserversorgung in der Wüste
(Sudan) ist kein großes Problem. Ich
hatte immer 5-7 Liter dabei. 7-10 Liter habe ich
am Tag verbraucht.
Mindestens einmal am Tag passiert man einen
Brunnen. Auch stehen am
Wegesrand in der Nähe von Ortschaften
immer große Tonkrüge, die mit
Wasser gefüllt sind. Hier darf sich jeder
bedienen.
2. Ja, ich fahre in kurzer Hose. Seit dem Jemen ist
das auch problemlos
möglich. Niemand nimmt daran
Anstoß.
3. Und nun das Wichtigste: Ja, liebe Leserin, meine
Beine sind rasiert.
(Wer sich schon einmal
Sonnencreme in die Haare geschmiert hat, weiß
warum :-)

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nun aber zu Jordanien:
Aqaba (71. Tag)
Alle Jordanier sind Kettenraucher. Immer und
überall wird geraucht. Bereits auf der Überfahrt mit
dem Fährschiff bleibt mir diese Erkenntnis nicht erspart.
Dicht gedrängt stehen die Männer entlang der Reling
und qualmen, was die Lungen hergeben, und das lückenlos auf
allen Decks. Mit gesunder Seeluft ist also nichts; im Gegenteil, die
beste Luft ist noch im Innern des Schiffes.
Doch nach drei Stunden ist auch dies
überstanden und unser "Dampfschiff" erreicht den Hafen von
Aqaba. Nun mache ich mich auf eine mindestens genau solange
Einreiseprozedur gefasst,
wie ich sie bei der Einreise nach Ägypten erleben durfte. Doch
überraschender Weise werde ich von den Behörden
freundlich
und bevorzugt behandelt und trotz meines sperrigen Gepäcks an
den
vielen hundert Passagieren vorbei gewunken. Es geht also auch anders,
liebe Ägypter!
Abends, nachdem ich ein Hotel gefunden habe, schaue
ich mir die Stadt an. Dabei vermisse ich den typisch arabischen Flair.
Alles ist sauber, aufgeräumt und wohl organisiert. Die Polizei
gleitet in schnieken
Chevrolets über die sauberen und ruhigen Strassen,
während ich in einem klinisch reinen Imbissrestaurant zu Abend
esse. Einkaufen könnte ich in zum Teil stilvoll eingerichteten
Läden oder in Supermärkten wie Safeway.
Also, alles andere als orientalisch. Mit der kleinen Garnisionsstadt,
die wir alle aus Laurence von Arabien kennen, hat
das nichts mehr gemeinsam.
(Aber ich bin ja nicht zum Autofahren nach Aqaba
gekommen, oder zum Einkaufen, auch nicht weil es Gold in Aqaba gibt,
nein, ich bin nach Aqaba gekommen, weil es mir so gefällt :-)
Petra
Am darauffolgenden Tag verlasse ich die Stadt auf
einem breiten, komfortablen Highway. Dort ist wenig Verkehr, viel Platz
und, oh Wunder, kein Wind. So macht das Fahren Spaß. Der
Spaß hält sogar an, als sich die Strasse wieder in
die Berge hinaufwindet. Nach 90 Kilometern stehe ich wieder auf 1.700 m
über dem Meeresspiegel. Hier verlasse ich die inzwischen lebhafter gewordene
Autobahn und biege ab auf den King's Highway
Richtung Petra. Der King's Highway
ist, so muss ich sofort feststellen eine ruhige Straße, die
keinen Berggipfel auslässt. In Schlangenlinien geht es von
einem Hügel hinauf zum nächsten.

So langsam fange ich an zu schwächeln und
zu frieren. Die Sonne geht bereits unter und ich erreiche eine kleine
Stadt. Endlich, Petra,
Ziel erreicht! Obwohl es nur noch wenige hundert Meter bis in die Stadt
hinunter sind, halte ich am erstbesten Gemischtwarenladen an und falle
über Cola und Schokolade her. Ich bin am Ende. Meine Finger
sind
gefroren und meine Zehen spüre ich schon lange nicht mehr.
Während ich mir die Kalorien hineinstopfe, komme ich mit dem
Ladenbesitzer ins Gespräch und irgendwann stellt sich heraus,
das
dies mitnichten Petra ist, sondern, dass es noch
mindestens 20 Kilometer bis dort hin sind. Ich kann nicht mehr. Also
lange ich noch einmal ins Schokoladenregal und verbringe noch eine
weitere Stunde im Sattel.
Durchgefroren und am Ziel, finde ich ein nettes,
familiäres Hotel, indem im gemütlichen
Gemeinschaftsraum ein Ofen bullert. Hier bleibe ich. Ich nehme noch
einen süßen Tee
und eine heiße Dusche und falle dann halb tot ins Bett.
Am nächsten Morgen mache ich mich auf den
Weg zur berühmten Tempel- und Gräberstadt Petra. Ich
bin überrascht, dass die Anlage so riesig, reichhaltig und
abwechslungsreich ist.

Das liegt nicht nur an den Hunderten in Felsen
gehauenen Tempeln, Höhlen und Gräbern, sondern auch
an der tollen Canyonlandschaft, in der sich die Anlagen befinden und
die erklettert werden dürfen. Aber vor allem
kann man diese Anlage genießen, weil man von keinem
Touristennepper angemacht wird und sich die wenigen Touristen schnell
auf dem großen Areal verlieren. Herrlich!

Am nächsten Morgen geht es sehr
früh weiter Richtung Amman. Diesmal bin ich aber besser
vorbereitet. Heute morgen trage ich meine nigelnagelneuen
Wollhandschuhe, die ich mir noch gestern Abend gekauft hatte, und über meine Socken
habe ich dünne Plastiktüten gezogen, die hervorragend
den eisigen Wind abhalten.
Da
die Hauptstadt für mich nicht an einem Tag zu erreichen ist,
und
ich auch kein Hotel in den kleinen Orten dazwischen finde, schlage ich
auf halben Wege wieder mein Zelt auf. Doch die angenehmen Campingtage
sind vorüber, die Saison ist vorbei. Nachts fällt das
Thermometer bis knapp über den Gefrierpunkt und am
nächsten
Morgen ist alles kalt, feucht und ekelig.
Doch Gott-sei-Dank ist die jordanische
Küche um Längen besser, als die ägyptische,
und so lässt mich ein üppiges
Frühstück in einem unscheinbaren Imbiss am
Straßenrand wieder aufleben.
Am Nachmittag erreiche ich das hügelige
Amman. Es ist der 23. Dezember und ich will wenigstens zwei Tage
bleiben.
Weihnachten (77. Tag)
Ausgerechnet Heiligabend regnet es; zum ersten Mal
seit Beginn meiner Reise. Der Abend ist nass, kalt und
ungemütlich. Ich verbringe ihn in einem zweifelhaften
italienischen Restaurant bei einer schlechten Pizza und einem guten
Whisky.
Am Morgen des ersten Weihnachtstages liegt Amman
immer noch in grauen Regenwolken und ich beschließe einen
Tagestrip hinunter zum Toten Meer zu machen. Das sind gut 50 Kilometer,
es geht immer
nur bergab und es verspricht
sonnig zu werden. Noch in den Bergen passiere ich einen Rastplatz mit
einem Hinweisschild, dass ich mich nun auf Meeresspiegelhöhe
befinde. Trotzdem geht die Straße noch
lange weiter bergab und als ich schließlich das Tote Meer bei
strahlenden Sonnenschein erreiche, zeigt mein GPS 400 Meter unter dem
Meerspiegel an.
Der See liegt ruhig und türkisblau in der
warmen Mittagssonne und lädt zu einem Bad ein.
Blöderweise habe ich meine Badesachen nicht dabei. Einige
Touristen können aber nicht widerstehen, sodass ich mich an
ihren Schwimmversuchen erfreuen kann. Denn
aufgrund des extrem hohen Salzgehaltes von 30%
dümpeln sie lediglich wie Korken auf der
Wasseroberfläche. Man kann machen was man will, nur untergehen
kann man nicht.
Doch während es am Badestrand lebhaft
zugeht, ist der Rest des Sees tot. Im Toten Meer gibt es aufgrund der
hohen Salzkonzentration keine Pflanzen und keine Lebewesen.
Mein opulentes Weihnachtsessen bekomme ich dann
doch noch am reichhaltigen Buffet des Strandrestaurants, wo alle
Gaumenfreuden angeboten werden - nur eben kein Fisch.

Damascus, 29.12.2004
Syrien
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