Jordanien_____                                                                       __

                                                                       19.12.2004 - 26.12.2004

 

 

Bevor ich über Jordanien berichte, möchte/muss ich noch auf ein paar Anfragen eingehen, die mich per Email erreichten.

(Das sollte eigentlich bereits zum Ägypten-Upload geschehen, aber ich hab's vergessen. Sorry!)

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Leserbriefe

 

1. Die Wasserversorgung in der Wüste (Sudan) ist kein großes Problem. Ich
   hatte immer 5-7 Liter dabei. 7-10 Liter habe ich am Tag verbraucht.
   Mindestens einmal am Tag passiert man einen Brunnen. Auch stehen am
   Wegesrand in der Nähe von Ortschaften immer große Tonkrüge, die mit
   Wasser gefüllt sind. Hier darf sich jeder bedienen.

 

2. Ja, ich fahre in kurzer Hose. Seit dem Jemen ist das auch problemlos
   möglich. Niemand nimmt daran Anstoß.

 

3. Und nun das Wichtigste: Ja, liebe Leserin, meine Beine sind rasiert.

   (Wer sich schon einmal Sonnencreme in die Haare geschmiert hat, weiß
   warum :-)

 

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nun aber zu Jordanien:

 

 

Aqaba (71. Tag)

 

Alle Jordanier sind Kettenraucher. Immer und überall wird geraucht. Bereits auf der Überfahrt mit dem Fährschiff bleibt mir diese Erkenntnis nicht erspart. Dicht gedrängt stehen die Männer entlang der Reling und qualmen, was die Lungen hergeben, und das lückenlos auf allen Decks. Mit gesunder Seeluft ist also nichts; im Gegenteil, die beste Luft ist noch im Innern des Schiffes.

Doch nach drei Stunden ist auch dies überstanden und unser "Dampfschiff" erreicht den Hafen von Aqaba. Nun mache ich mich auf eine mindestens genau solange Einreiseprozedur gefasst, wie ich sie bei der Einreise nach Ägypten erleben durfte. Doch überraschender Weise werde ich von den Behörden freundlich und bevorzugt behandelt und trotz meines sperrigen Gepäcks an den vielen hundert Passagieren vorbei gewunken. Es geht also auch anders, liebe Ägypter!

Abends, nachdem ich ein Hotel gefunden habe, schaue ich mir die Stadt an. Dabei vermisse ich den typisch arabischen Flair. Alles ist sauber, aufgeräumt und wohl organisiert. Die Polizei gleitet in schnieken Chevrolets über die sauberen und ruhigen Strassen, während ich in einem klinisch reinen Imbissrestaurant zu Abend esse. Einkaufen könnte ich in zum Teil stilvoll eingerichteten Läden oder in Supermärkten wie Safeway. Also, alles andere als orientalisch. Mit der kleinen Garnisionsstadt, die wir alle aus Laurence von Arabien kennen, hat das nichts mehr gemeinsam.

(Aber ich bin ja nicht zum Autofahren nach Aqaba gekommen, oder zum Einkaufen, auch nicht weil es Gold in Aqaba gibt, nein, ich bin nach Aqaba gekommen, weil es mir so gefällt :-)

 

 

Petra

 

Am darauffolgenden Tag verlasse ich die Stadt auf einem breiten, komfortablen Highway. Dort ist wenig Verkehr, viel Platz und, oh Wunder, kein Wind. So macht das Fahren Spaß. Der Spaß hält sogar an, als sich die Strasse wieder in die Berge hinaufwindet. Nach 90 Kilometern stehe ich wieder auf 1.700 m über dem Meeresspiegel. Hier verlasse ich die inzwischen lebhafter gewordene Autobahn und biege ab auf den King's Highway Richtung Petra. Der King's Highway ist, so muss ich sofort feststellen eine ruhige Straße, die keinen Berggipfel auslässt. In Schlangenlinien geht es von einem Hügel hinauf zum nächsten.

 

 

So langsam fange ich an zu schwächeln und zu frieren. Die Sonne geht bereits unter und ich erreiche eine kleine Stadt. Endlich, Petra, Ziel erreicht! Obwohl es nur noch wenige hundert Meter bis in die Stadt hinunter sind, halte ich am erstbesten Gemischtwarenladen an und falle über Cola und Schokolade her. Ich bin am Ende. Meine Finger sind gefroren und meine Zehen spüre ich schon lange nicht mehr. Während ich mir die Kalorien hineinstopfe, komme ich mit dem Ladenbesitzer ins Gespräch und irgendwann stellt sich heraus, das dies mitnichten Petra ist, sondern, dass es noch mindestens 20 Kilometer bis dort hin sind. Ich kann nicht mehr. Also lange ich noch einmal ins Schokoladenregal und verbringe noch eine weitere Stunde im Sattel.

Durchgefroren und am Ziel, finde ich ein nettes, familiäres Hotel, indem im gemütlichen Gemeinschaftsraum ein Ofen bullert. Hier bleibe ich. Ich nehme noch einen süßen Tee und eine heiße Dusche und falle dann halb tot ins Bett.

 

Am nächsten Morgen mache ich mich auf den Weg zur berühmten Tempel- und Gräberstadt Petra. Ich bin überrascht, dass die Anlage so riesig, reichhaltig und abwechslungsreich ist.

 

 

Das liegt nicht nur an den Hunderten in Felsen gehauenen Tempeln, Höhlen und Gräbern, sondern auch an der tollen Canyonlandschaft, in der sich die Anlagen befinden und die erklettert werden dürfen. Aber vor allem kann man diese Anlage genießen, weil man von keinem Touristennepper angemacht wird und sich die wenigen Touristen schnell auf dem großen Areal verlieren. Herrlich!

 

 

Am nächsten Morgen geht es sehr früh weiter Richtung Amman. Diesmal bin ich aber besser vorbereitet. Heute morgen trage ich meine nigelnagelneuen Wollhandschuhe, die ich mir noch gestern Abend gekauft hatte, und über meine Socken habe ich dünne Plastiktüten gezogen, die hervorragend den eisigen Wind abhalten.

Da die Hauptstadt für mich nicht an einem Tag zu erreichen ist, und ich auch kein Hotel in den kleinen Orten dazwischen finde, schlage ich auf halben Wege wieder mein Zelt auf. Doch die angenehmen Campingtage sind vorüber, die Saison ist vorbei. Nachts fällt das Thermometer bis knapp über den Gefrierpunkt und am nächsten Morgen ist alles kalt, feucht und ekelig.

Doch Gott-sei-Dank ist die jordanische Küche um Längen besser, als die ägyptische, und so lässt mich ein üppiges Frühstück in einem unscheinbaren Imbiss am Straßenrand wieder aufleben.

Am Nachmittag erreiche ich das hügelige Amman. Es ist der 23. Dezember und ich will wenigstens zwei Tage bleiben.

 

 

Weihnachten (77. Tag)

 

Ausgerechnet Heiligabend regnet es; zum ersten Mal seit Beginn meiner Reise. Der Abend ist nass, kalt und ungemütlich. Ich verbringe ihn in einem zweifelhaften italienischen Restaurant bei einer schlechten Pizza und einem guten Whisky.

Am Morgen des ersten Weihnachtstages liegt Amman immer noch in grauen Regenwolken und ich beschließe einen Tagestrip hinunter zum Toten Meer zu machen. Das sind gut 50 Kilometer, es geht immer nur bergab und es verspricht sonnig zu werden. Noch in den Bergen passiere ich einen Rastplatz mit einem Hinweisschild, dass ich mich nun auf Meeresspiegelhöhe befinde. Trotzdem geht die Straße noch lange weiter bergab und als ich schließlich das Tote Meer bei strahlenden Sonnenschein erreiche, zeigt mein GPS 400 Meter unter dem Meerspiegel an.

Der See liegt ruhig und türkisblau in der warmen Mittagssonne und lädt zu einem Bad ein. Blöderweise habe ich meine Badesachen nicht dabei. Einige Touristen können aber nicht widerstehen, sodass ich mich an ihren Schwimmversuchen erfreuen kann. Denn aufgrund des extrem hohen Salzgehaltes von 30% dümpeln sie lediglich wie Korken auf der Wasseroberfläche. Man kann machen was man will, nur untergehen kann man nicht.

Doch während es am Badestrand lebhaft zugeht, ist der Rest des Sees tot. Im Toten Meer gibt es aufgrund der hohen Salzkonzentration keine Pflanzen und keine Lebewesen.

 

Mein opulentes Weihnachtsessen bekomme ich dann doch noch am reichhaltigen Buffet des Strandrestaurants, wo alle Gaumenfreuden angeboten werden - nur eben kein Fisch.

 

 

Damascus, 29.12.2004

 

 

Syrien