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Die Überfahrt (6. Tag)
Ich habe es
geschafft. Der Jemen liegt hinter mir - nach 3 Jahren. Unser kleines
Frachtschiff erreicht schwerfällig Freitag Morgen nach 7
Stunden
schaukeliger Fahrt den Hafen von Djibouti.
Jeder freie Zentimeter an Deck des hoffnungslos überladenen
Bootes
wurde von den 40 Passagieren belegt und in der Nacht verteidigt. Wie
die Ölsardinen lagen wir zusammen. Zwar überstand ich
Dank
der Seekrankheitspillen die Überfahrt selber problemlos, aber
schlafen konnte ich dennoch nicht, weil sich scheinbar alle anderen 39
Passagiere pausenlos übergeben mussten. Selbst kurz nach
Sonnenaufgang,
als etwas Ruhe einzukehren schien, fingen einige Frauen an zu essen,
um 15 Minuten später über die
begehrten Plastiktüten wieder alles
auszuwürgen. Kopfschüttelnd fragt ich mich,
wie man nur
so blöde sein
kann, als ich sah, wie eine dicke Jemenitin ihren prall
gefüllten
Beutel über Bord schleuderte - gegen den Wind...
Nein, die letzten Stunden haben mich echt angekotzt, aber egal, ich bin
jetzt in Djibouti und ich bin überglücklich (auch
wenn heute
Freitag und überdies der erste Ramadantag ist).

Land und Leute
Vergesst
Djibouti. Der Reiseführer Lonely-Planet hat Djibouti aus dem
Programm genommen. Jetzt
weiß ich auch warum: Drecksland, Drecksstadt,
heruntergekommen,
abgewrackt und asozial.
Will man nach der Einreise den Hafen verlassen, wird man von
aggressiven Zöllnern aufgefordert gefälligst alle
Taschen zu
öffnen. Hier versteht man keinen
Spaß. Inzwischen ist man von einer Gruppe Halbstarken
umringt,
die Geld haben wollen. Dass wir uns Recht verstehen, hier bettelt man
nicht um Geld - hier fordert man Geld. Wer hier alleine unterwegs ist,
hat schlechte Karten. So bin ich auch froh Sascha an Bord
kennen gelernt zu haben, der auf den Weg nach Somalia (!!!) ist und
sich
ebenfalls eine Unterkunft suchen will. Zusammen bahnen wir uns einen
Weg durch die Stadt, um ein vernünftiges Hotel zu finden. Nur,
die
gibt es in Djibouti nicht. Selbst die dreckigsten Absteigen
(Jemen-Style) kosten hier locker 30$.
Neben den Soldaten, Seeleuten und Prostituierten fallen in Djibouti
sofort die einheimischen Männer auf, die meinen
überall hin
pissen zu müssen. Am Besten dort, wo man von
möglichst vielen
Leuten gesehen wird. Also
entblößt man sich am Besten mitten auf der Strasse.
Mann
zeigt Schwanz.
Aber
zum Wundern bleibt wenig Zeit, denn sofort sind wir wieder von "coolen"
"Brothern" umringt, die lautstark Geld einfordern. Wie man aus einer
solchen Situation ohne Messerstecherei herauskommt? Ganz einfach:
Jedes Mal erwiderte ich ein fröhliches "As salamualeikum. Kef
halkum?" Und die
aggressive Mimik fiel den Jungs aus dem Gesicht. Dann, 2 Sekunden
später, kam ein schüchternes "Wua alleikum as salam"
zurück und uns wurde respektvoll Platz gemacht. Das hat jedes
Mal
funktioniert. Anscheinend gibt es nicht allzu viele
Weiße hier, die Arabisch sprechen, also die Sprache des
Propheten. (In Djibouti spricht man neben Französisch auch
Arabisch; und 90% der Menschen hier sind Muslime)
Schwein gehabt.

Addis Abeba, 24. Oktober 2004
Äthiopien
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