Djibouti_______                                                                       __

                                                                              15.10. - 17.10.2004

 

 

Die Überfahrt (6. Tag)

 

Ich habe es geschafft. Der Jemen liegt hinter mir - nach 3 Jahren. Unser kleines Frachtschiff erreicht schwerfällig Freitag Morgen nach 7 Stunden schaukeliger Fahrt den Hafen von Djibouti.
Jeder freie Zentimeter an Deck des hoffnungslos überladenen Bootes wurde von den 40 Passagieren belegt und in der Nacht verteidigt. Wie die Ölsardinen lagen wir zusammen. Zwar überstand ich Dank der Seekrankheitspillen die Überfahrt selber problemlos, aber schlafen konnte ich dennoch nicht, weil sich scheinbar alle anderen 39 Passagiere pausenlos übergeben mussten. Selbst kurz nach Sonnenaufgang, als etwas Ruhe einzukehren schien, fingen einige Frauen an zu essen, um 15 Minuten später über die begehrten Plastiktüten wieder alles auszuwürgen. Kopfschüttelnd fragt ich mich, wie man nur so blöde sein kann, als ich sah, wie eine dicke Jemenitin ihren prall gefüllten Beutel über Bord schleuderte - gegen den Wind...
Nein, die letzten Stunden haben mich echt angekotzt, aber egal, ich bin jetzt in Djibouti und ich bin überglücklich (auch wenn heute Freitag und überdies der erste Ramadantag ist).

 

 

 

Land und Leute

 

Vergesst Djibouti. Der Reiseführer Lonely-Planet hat Djibouti aus dem Programm genommen. Jetzt weiß ich auch warum: Drecksland, Drecksstadt, heruntergekommen, abgewrackt und asozial. Will man nach der Einreise den Hafen verlassen, wird man von aggressiven Zöllnern aufgefordert gefälligst alle Taschen zu öffnen. Hier versteht man keinen Spaß. Inzwischen ist man von einer Gruppe Halbstarken umringt, die Geld haben wollen. Dass wir uns Recht verstehen, hier bettelt man nicht um Geld - hier fordert man Geld. Wer hier alleine unterwegs ist, hat schlechte Karten. So bin ich auch froh Sascha an Bord kennen gelernt zu haben, der auf den Weg nach Somalia (!!!) ist und sich ebenfalls eine Unterkunft suchen will. Zusammen bahnen wir uns einen Weg durch die Stadt, um ein vernünftiges Hotel zu finden. Nur, die gibt es in Djibouti nicht. Selbst die dreckigsten Absteigen (Jemen-Style) kosten hier locker 30$.
Neben den Soldaten, Seeleuten und Prostituierten fallen in Djibouti sofort die einheimischen Männer auf, die meinen überall hin pissen zu müssen. Am Besten dort, wo man von möglichst vielen Leuten gesehen wird. Also entblößt man sich am Besten mitten auf der Strasse. Mann zeigt Schwanz.

Aber zum Wundern bleibt wenig Zeit, denn sofort sind wir wieder von "coolen" "Brothern" umringt, die lautstark Geld einfordern. Wie man aus einer solchen Situation ohne Messerstecherei herauskommt? Ganz einfach: Jedes Mal erwiderte ich ein fröhliches "As salamualeikum. Kef halkum?" Und die aggressive Mimik fiel den Jungs aus dem Gesicht. Dann, 2 Sekunden später, kam ein schüchternes "Wua alleikum as salam" zurück und uns wurde respektvoll Platz gemacht. Das hat jedes Mal funktioniert. Anscheinend gibt es nicht allzu viele Weiße hier, die Arabisch sprechen, also die Sprache des Propheten. (In Djibouti spricht man neben Französisch auch Arabisch; und 90% der Menschen hier sind Muslime)

Schwein gehabt.

 

 

Addis Abeba, 24. Oktober 2004

 

 

Äthiopien