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Ibb
Die Region um Ibb ist im Jemen auch als der Grüne Jemen bekannt. Laut Statistik soll es hier im Jahresmittel mehr regnen als in Deutschland. Anfangs fand ich diese Vorstellung nicht angenehm. Heute jedoch weiß ich, dass die Statistik völlig veraltet ist und es weitaus weniger regnet als noch vor ein paar Jahren.
Außerdem regnet es nur in bestimmten Monaten und den Rest des Jahres bleibt es trocken. Da es selbst in der Regenzeit zwar heftig, aber nur nachmittags für eine oder zwei Stunden regnet, bleibt der Regen nicht nur erträglich, sondern das Wetter auch kalkulierbar. Denn vormittags, wenn man arbeitet, strahlt immer die Sonne. Man kann sich darauf verlassen. Erst zum Feierabend hin ziehen dunkle Wolken auf, und wenn man zu Hause ist, wird es regnen. Mit Sicherheit. Aber wie gesagt, nach 2 Stunden hört es wieder auf – also, wenn es dunkel wird und man eh nicht mehr raus geht. Aber trotzdem, inzwischen ersehne ich den jährlichen Regen genauso herbei wie die Jemeniten. (Hier übrigens der aktuelle Wetterbericht der Nachbarstadt Taiz)
Wie gesagt, eigentlich gibt es in Ibb alles zu kaufen, was man braucht (außer vielleicht Alkohol, den gibt’s nur bei den Schmugglern an der Küste). Frisches Obst und Gemüse gibt es das ganze Jahr über auf den Märkten und bei den fliegenden Händlern für wenig Geld. Den Rest hat mit Sicherheit der Gemischtwarenladen in der Innenstadt.
Wer nicht kochen kann oder will (für mich trifft beides zu) kann in den vielen Mathams essen. Matham heißt übersetzt Restaurant, nur das trifft es eigentlich gar nicht. Ein Matham ist NICHT ein Ort der Ruhe, der guten Sitten und Benehmens. Ein Matham ist laut, hektisch, chaotisch. Denn der Jemenite schlingt kleckernd und schlürfend das Essen in Rekordzeit hinein, während laut schreiend Bestellungen und Beschwerden ausgerufen werden. Dazwischen turnen kommende und gehende Gäste über Tisch und Bänke, während Jungen mit nicht ganz frischen Schwämmen die Essensreste von den Tischen auf den Boden fegen. Gegessen wird natürlich mit den Fingern und in der Regel aus einem Gemeinschaftstopf. Ein Matham ist also ein Ort, an dem man sich erst ziemlich gewöhnen muss. Trotz alledem, das Essen schmeckt prima.
Wer ein paar Wörter Arabisch kann, wird im Jemen gut zurecht kommen. Die Menschen sind sehr Ausländerfreundlich und nehmen auf Ausländer im Allgemeinen und auf Deutsche im Besonderen besonders Rücksicht. Ob beim Einkauf, auf Behörden und im Straßenverkehr, in der Regel wird man bevorzugt behandelt. Da braucht man gar nicht viel Arabischkenntnisse. Das kommt mir sehr entgegen, da wir beide, das Arabisch und ich, nicht gut zusammen passen. Es soll Leute geben, die die sprachliche Vielfalt schätzen und das Arabisch deshalb so interessant finden. Ich jedenfalls finde es frustrierend, wenn man soeben ein neues Wort von einem Kollegen gelernt hat, die anderen fünf Kollegen aber fünf weitere Wörter für die gleiche Sache gebrauchen, da sie aus fünf unterschiedlichen Dörfern kommen. Darüber hinaus stehen auch viele gleiche Wörter für ganz unterschiedliche Sachen. In seinem Yemen-Buch schreibt Tim Mackintosh-Smith deshalb so treffend: „Jedes Wort bedeutet das, was es heißt, das Gegenteil oder Kamel.“
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