|
3.
Tag In aller Ruhe räume ich das Auto etwas auf, entsande das Innere, wasche die Windschutzscheibe und anschließend mich selbst. Einige Schrauben haben sich aus dem Armaturenbrett gelöst und sind herausgefallen. Das Ergebnis der ständigen Rüttelei in dem unwegsamen Gelände. Neugierig geworden unterziehe ich auch den Motorraum einer Sichtkontrolle. Der Batterieträger ist mehrmals gebrochen, aber ich kann die beiden Batterien notdürftig festzurren. Nach zwanzig Minuten bin ich startklar und hantiere nun bewusst etwas lauter, sodass ein paar Minuten später mein Askari gähnend und sich räkelnd in der Eingangstür steht. Wir beschließen einen Tee zu trinken. Dann brechen wir auf. Obwohl der Ort nur wenige Häuser hat, ist er doch sehr unübersichtlich. Strassen gibt es nicht, nur ein Gewirr von Spurrillen zwischen den Häusern hindurch. Dreimal müssen wir den Weg aus dem Dorf heraus erfragen. Dann finden wir aber endlich den gesuchten Strand und nun soll es einfach sein: Immer am Strand endlang Richtung Osten. Mein Askari lehnt sich entspannt zurück. Er findet es schön hier. Ich zweifle. Wahrscheinlich ist er noch nie mit einem Auto im Sand steckengeblieben. Wahrscheinlich hat er noch nie stundenlang graben müssen. Aber ich bin kein Spielverderber und sage nichts. Außerdem hat er Recht: Es ist schön hier. Die warme Sonne über dem blauen Meer, keine Piste, keine Spuren, nur unberührter Sandstrand. Aber mit dem Fahren hapert es. Der Wagen lässt sich nur noch schwer steuern. Längst fahre ich mit Allrad. Trotzdem driftet der Wagen immer wieder weg, bricht aus, und ich habe Schwierigkeiten die Geschwindigkeit zu halten. Wir fahren wie auf Klebstoff. „Nur nicht langsamer werden“, schießt es mir in den Sinn. Dann taucht eine Spurrille auf und ich folge ihr... 20 Meter – dann, wuff – stecken wir fest. Genau das habe ich befürchtet. Achmed scheint die Lage noch nicht ganz erfasst zu haben, scheint noch nicht bemerkt zu haben, dass das erst der Anfang sein könnte. Ich lasse die Räder noch einmal rückwärts und vorwärts rotieren. Sand fliegt auf. Fragend schaut er mich an. Ich ignoriere ihn und mache das einzig Vernünftige in einer solchen Situation: Ich schließe die Augen, breche stöhnend überm Lenkrad zusammen, bevor ich einen kurzen Moment später laut fluchend die Tür aufreiße und mich in den Sand fallen lasse. 7:00 Uhr morgens, erst einen Kilometer gefahren und dann das. Das kann ja lustig werden. Mit den Armen schiebe ich den Sand vor und hinter den Reifen beiseite, starte den Wagen neu und versuche mich vor und zurück aus den Sandlöchern zu schaukeln. Einziger Effekt: Der Wagen scheint zu schrumpfen. Bevor das Fahrwerk nun ganz aufliegt, stoppe ich die Aktion. Nun haben wir ein Problem. Ich bin nicht darauf vorbereitet, habe weder Schaufeln noch Sandbleche dabei, und, zugegeben, habe ich auch keine Ahnung wie man auf Sand fährt. Also buddeln wir gemeinsam im Sand. Mit den Händen. Beim nächsten Versuch lege ich die Fußmatten vor die Räder (gute Idee!). Diesmal gräbt der Wagen sich nicht sofort ein, sondern zerfetzt vorher noch die Fußmatten (Sch...idee!) Ich sammle die Überbleibsel der Gummimatten auf und mir kommt die ebenso zerfetzte Landkarte wieder in den Sinn, die uns mit ihrem dicken, fetten Teerstraßenstrich so belogen hat. Wir buddeln wieder, als wir Motorengeräusch hören. Wir halten inne. Tatsächlich kommt ein Landcruiser direkt auf uns zu und hält an. Drei Männer steigen grinsend aus. „Guten Morgen. Wie geht’s?“ „Guten Morgen. Sehr gut, und selber?“ „Auch sehr gut.“ (Wie sehr ich diese sinnlosen Dialoge hasse) „Probleme?“ „Ein bisschen.“ Schon sitzt der Fahrer bei uns im Auto und spielt an den Schaltern für Allrad, Untersetzung und Nabensperre herum. Wir diskutieren kurz die Funktionen der Schalter und er befindet, dass alles in Ordnung sei. Dann steigt er aus, beschaut sich die Reifen und rümpft die Nase. Natürlich weiß ich, dass unsere Reifen viel zu schmal sind um auf Sand zu fahren. Mir sind auch nicht die Ballonreifen seines Wagens entgangen – aber, was will man machen. Als wenn er sich diese Frage auch gerade gestellt hatte, ergreift er einen kleinen Zweig, beugt sich zu einem der Reifen hinunter und stochert damit in dem Ventil herum. Zischend entweicht die Luft. O.K., zugegeben, daran hatte ich während meines Anfalles nicht spontan gedacht... Nachdem er so den Druck in allen Reifen etwas reduziert hat, schwingt er sich ins Auto und fährt den Wagen scheinbar mühelos wieder frei. „Das soll bis Haswayn reichen“, meint unser Retter stolz, und wechselt das Auto. Ich bedanke mich freundlich, bleibe aber skeptisch. „Und wie weit ist das? Bis zu dem Berg dort?“, frage ich ihn und deute voller Hoffnung auf einen Bergrücken, der unweit von hier direkt bis ins Meer mündet und den Weg versperrt. „Nein, nein. Ihr müsst dahinten den Strand Richtung Wüste verlassen und dann durch die Sanddünen 1 ½ Stunden Richtung Norden fahren.“ Türen schlagen zu, der Motor heult auf, ein kurzer Wink und unsere drei Freunde sind in einer großen Staubwolke verschwunden. „Danke“, murmle ich wenig begeistert.
Tatsächlich kommen wir nun besser voran. Nach einigen hundert Metern verlassen die nun zahlreicheren Spuren den Strand und führen direkt in die Sanddünen. Der Sand ist hier noch feiner und das Steuern noch schwieriger. Der Wagen schwimmt und springt von Spur zu Spur. Die Geschwindigkeit sinkt wieder. Meine Hände schwitzen. „Nur nicht langsamer werden und vor allen Dingen in den frischen Spuren bleiben!“, geht es mir unablässig durch den Sinn. Hochkonzentriert starren wir auf die Spuren, die sich immer wieder teilen. Da es die Dünen rauf und runter geht, kann man auch nicht weit genug vorausschauen und wir müssen schnelle Entscheidungen treffen. An ein Anhalten und in Ruhe schauen oder gar umdrehen ist nicht zu denken. Wir würden unweigerlich wieder festsitzen. Dann passiert es: Nach dem Überfahren einer Düne nehme ich die falsche Spur. Sie ist älter und bereits halb verweht. Ich merke den Fehler sofort, da der Wagen im lockeren Sand sogleich langsamer wird. Aber soll ich anhalten? Die Frage erübrigt sich nach 50 Metern, als die Spur ganz verweht ist und wir – wuff – wieder feststecken. Der Motor ist aus. Totenstille. Nun stöhnen wir beide. Diesmal sind wir mitten drin. Überall Sand. Jetzt erst mal Pause, nachdenken und schauen.
Wir erklimmen die nächsten Dünen und suchen die beste Spur. Nachdem die Route festgelegt wurde, wird wieder gegraben. Vorsichtig fahre ich mich frei, stecke nach wenigen Metern wieder fest, schaukle mich durch Vor- und Zurückwippen wieder frei und nehme die nächsten Meter in Angriff. Stecke wieder fest. Wieder steigen wir aus und wieder knien wir nieder zum Graben. Inzwischen arbeiten wir mit Kochtöpfen. Die Sonne brennt bereits erbarmungslos und die Arbeit ist eine Qual. Doch nach zwei Stunden sind wir zurück auf der alten Spur. Al-hamdu-lilah, Gott sei Dank. Freudestrahlend beglückwünschen wir uns gegenseitig. Dann eine kurze Andacht, ein tiefes Durchatmen und auf geht’s. Wir gewinnen langsam aber sicher an Fahrt, erklimmen zügig eine Düne, dann geht es bergab. Der Motor heult, ist bereits weit im roten Drehzahlbereich. Ich wage aber nicht zu schalten. Durch das Kuppeln könnten wir Fahrt verlieren. Nur keine Experimente. „Nur nicht langsamer werden“, geht es mir unablässig durch den Kopf. Ich schwitze mehr als beim Buddeln. Dann wieder ein langer Dünenanstieg. Ein sehr langer. Der Wagen wird langsamer. Ein verdammt langer. Der Motor verliert an Kraft. Ich MUSS herunterschalten – und zwar möglichst schnell. Ich konzentriere mich und habe die Kupplung kaum berührt, als – wuff – der Wagen auf der Stelle festsitzt. „Eine Mikrosekunde später hätte ich den Gang drin gehabt und zehn Meter weiter, währen wir über die Düne gewesen“, denke ich bei mir, als wir kommentarlos zu unserem Kochtöpfen greifen. Der Wagen ist schnell vom Sand befreit und wir kommen beide zu dem Schluss, es mit Anlauf zu versuchen. Also: zurück zur Talsohle und durchstarten. Nach fünf Minuten stellt sich heraus, dass der erste Teil der Überlegung gut funktioniert, der zweite Teil aber überhaupt nicht. Nachdem wir gut 50 Meter zurückgefahren sind, kommen wir nun keinen einzigen Zentimeter vorwärts. Es ist zum Verzweifeln. Mutlos schleudern wir unsere Kochtöpfe in den Sand und lassen uns daneben fallen. Pause. Trinken. Überlegen. Aber wir können es drehen und wenden solange wir wollen: ums Sandschaufeln kommen wir nicht herum. Als ich die hinteren Räder ausgrabe, beginnt Achmed, mein treuer Soldat, damit, mit seinem Kochtopf vor dem Auto eine Spurrille anzulegen. Tatsächlich ist die Idee nicht schlecht. Denn, sind die ersten 10-20 cm loser Sand beseitigt, wird der Sand fester. Wir probieren es aus und es scheint tatsächlich zu funktionieren. Der Wagen bewegt sich und fährt tatsächlich bis zum Ende der Spur und will sich dort wieder einwühlen. Lange Rede – kurzer Sinn: die nächsten Stunden sind wir damit beschäftigt eine Fahrrinne die Düne hinaufzuziehen. Auf Knien rutschend und im endlosen Sand bei brennender Sonne mit Kochtöpfen Furchen buddelnd, geben wir sicher ein trostloses Bild ab. Nach vier Stunden sind wir oben angelangt. MIT Auto. Aber völlig fertig. Der Rücken schmerzt, die Hände an den scharfen Topfkanten aufgeschnitten und die versandeten Sachen kleben an unseren durchgeschwitzten Körpern. Doch, oh Wunder, in der Ferne ist ein Dorf zu sehen. Das muss Haswayn sein, unser Etappenziel und das Ende der Sandqualen. Doch die rechte Freude will nicht aufkommen, da noch eine Menge Dünen zwischen uns und unserem Etappenziel liegen. Wir wundern oder ärgern uns dann auch nicht mehr, als wir nach zweiminütiger Fahrt wieder festsitzen. Es ist zum Verrückt werden. Wir können doch nicht von hier bis nach Haswayn Furchen ziehen! Ich verfluche die ganze Fahrt und besonders die blödsinnige Idee ausgerechnet diese Strecke gewählt zu haben. Wenn wir nicht schon mehr Strecke im Sand zurückgelegt hätten, als wir noch vor uns haben, würde ich auf der Stelle umkehren. Das will was heißen! Plötzlich hören wir wieder Motorengeräusch und tatsächlich kommen im kurzen Abstand zwei Autos über unsere Düne hinweggefahren. Mit heulendem Motor schliddern sie an uns vorbei und quälen sich die nächste Düne hoch. Trotz der dicken Reifen fahren auch sie am Limit. Auch sie können nicht ohne weiteres anhalten, sondern müssen den Schwung nutzen. An ein Anhalten und Helfen oder gar herausziehen ist also gar nicht zu denken. Somit fällt auch eine Wanderung ins Dorf um Hilfe zu holen aus. Wir sind also auf uns selbst angewiesen. Ich setze mich in den Sand und beschließe lieber auf ein Wunder zu warten, als dass wir uns kilometerweit durch die Wüste graben. In diesem Moment hören wir wieder Motorengeräusch und kurze Zeit später kommt ein weiterer Landcruiser angerauscht. Gespannt studieren wir die Fahrtechnik, als wenig später der Fahrer oben auf der Düne stoppt, aussteigt und zu uns herunterkommt. Ein großgewachsener, schwergewichtiger Beduine mit langem Rauschebart begrüßt uns fröhlich und inspiziert sogleich unser Auto. Soll das unser Wunder sein? Rübezahl im Pick-up? Stumm kontrolliert der Riese die Schalter am Armaturenbrett. „Allrad eingeschaltet?“ „O.K.“ „Nabensperre und Untersetzung?“ „Alles O.K.“ „Reifendruck auch O.K?“ „Reifendruck ist O.K.“ Kurzer skeptischer Blick. „Nicht O.K!“, und lässt auch schon ordentlich Luft ab. Ich habe weder Lust noch Kraft zu diskutieren und lass ihn machen. Wenn das unsere Rettung sein soll – bitte! Der bärtige Hüne schwing sich ins Auto, gräbt sich durch geschicktes kurzes Vor und Zurückwippen selber wieder aus und setzt gut 100 Meter zurück. „Wenn er jetzt stecken bleibt, haben wir weitere 100 Meter zu graben“, denke ich resigniert. Dann heult der Motor auf. Unser Toyota setzt sich in Bewegung, wird immer schneller und rast nun auf die Düne zu. Zwar wird er an der Steigung etwas langsamer, doch sicher zieht er sich wie an der Schnurr gezogen die Düne hoch. Wir halten den Atem an. „Alles kein Problem. Läuft doch gut der Wagen“, ruft der Bedu uns von oben zu. Achmed und ich schauen uns ungläubig an. Wir sind baff. Freudestrahlend laufen wir die Düne hinauf und bedanken uns überschwänglich. Unser Wunder in Beduinengestalt gibt uns grinsend noch ein paar Fahrtipps und zeigt uns die beste Spur nach Haswayn. Noch etwas ungläubig steigen wir ins Auto und fahren los. Tatsächlich, wir fahren! Wir winken und hupen noch mal zum Abschied. Der Wagen schlingert zwar hin und her, aber es geht prima. War doch einfach! Man muss nur genug Luft ablassen! Eine Viertelstunde später, als wir im Dorf auf festem Schotter ankommen, jubeln wir beide lautstark. Die Anspannung der letzten Stunden fällt plötzlich von uns ab. Wir haben die Wüste bezwungen und sind mächtig stolz auf uns. Und natürlich auch auf den netten Beduinen.
Bevor wir einen Laden suchen, wo wir Tee trinken und eisgekühlte Getränke kaufen können, steuern wir zuerst eine kleine Reifenwerkstatt an. Der Sand hat ein Ende und in unsere Reifen muss dringend wieder ausreichend Luft. Die Reifenwerkstatt besteht aus einem größerem, mit Altöl durchtränkten Platz, der mit alten Reifen, zerfetzten Reifenresten, Schrott und anderem Müll übersät ist und einem winzigen Holzverschlag. Ich parke in Mitten dem Gerümpel nahe dem Luftdruckkompressor. Auf mein Rufen reagiert niemand und ich gehe auf die Hütte zu. In ihr liegen drei Männer und... qaten. Niemand macht sich die Mühe mich zu fragen was ich möchte, geschweige denn steht auf, um mir zu helfen. Also wünsche ich allen einen schönen Tag, frage wie´s geht und verlasse den Schuppen wieder. Anschließend werfe ich den Kompressor an und pumpe mir die Reifen selber auf. Als ich beim letzten Reifen bin, sehe ich, dass dieser an der Seite etwas aufgerissen ist. Zwar quillt der Schlauch noch nicht aus dem Loch, doch macht der Reifen keinen zuverlässigen Eindruck auf mich. Ich gehe also wieder zum Verschlag zurück und frage in die Runde, ob mir jemand einen Reifen reparieren möchte. Nun erhebt sich doch einer gelangweilt, schlurft zum Auto, besieht sich die Sache und meint, dass es keiner Reparatur bedarf:„ Musch muschkila – kein Problem. Der hält.“ Ich drücke ihm daraufhin ein paar Rial in die Hand (für die Luft) und beruhigt fahren wir den nächsten Gemischtwarenladen an.
Nachdem wir uns mit kalten Getränken für die Fahrt eingedeckt haben, geht es nun wieder auf grober Schotterpiste in die Berge. Wenn alles gut läuft, können wir vor Sonnenuntergang in Al-Ghayda sein, Inshah-allah. Doch kaum haben wir den Ort verlassen – sind wirklich keine fünf Minuten gefahren – beginnt der Wagen wieder an zu schwimmen. Nur sandig ist es hier gar nicht. Ich halte an und Achmed steigt aus. Ich bleibe sitzen, weil ich genau weiß, was passiert ist... Natürlich ist der Schlauch in dem Reifen mit dem Riss geplatzt. „Musch muschkila“, äffe ich den Reifenfritzen nach. Achmed grinst. Natürlich hat er Recht; darüber braucht man sich wirklich nicht aufregen. Mittlerweile bin ich lange genug im Jemen um einen Reifen auch mit verbundenen Augen zu wechseln. NUR, ärgern kann ich mich noch immer über die Gleichgültigkeit der Leute, wenn sie ihr Qat kauen. Dann ist mit ihnen nichts anzufangen. Da werde ich auch nie Verständnis für aufbringen. Solange das Leben in diesem Land vom Qat regiert wird, wird sich auch nichts ändern! So, das musste jetzt ´mal raus. Nun gut; der Reifen war schnell gewechselt, aber was nun? Zurückfahren und den Reifen reparieren lassen oder weiterfahren? Drei Stunden auf Geröllpiste mit scharfkantigen Steinen durch die Berge ohne Ersatzreifen? Für mich ist die Sache trotzdem einigermaßen klar: Auch wenn es nur zu vernünftig ist, die fünf Minuten wieder zurück zu fahren, so bedeutet es doch: zurückfahren. Mit Betonung auf zurück. Also ein Wort (oder besser Unwort), das in meinem Vokabular eine ähnliche Ausstrahlung hat wie Weihnachtseinkäufe oder Qat. Also völlig indiskutabel. Doch zuerst wollte ich Achmeds Meinung hören. Nach kurzem Überlegen war er dafür weiter zu fahren, weil Allah mit uns sein wird und deshalb nichts passieren wird. Jawohl! Achmed, Kumpel! Wir sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. Allah hat zwar heute alle Hände voll zu tun mit uns beiden, aber was soll´s. Yalla, weiter geht´s. Der Rest ist schnell erzählt. Der Reifen hält und nur einmal verfahren wir uns. Nicht weiter erwähnenswert – aber die Landschaft: einfach phantastisch! Wir fahren durch steinige, vegetationslose und unberührte Berglandschaft. Die gleichmäßig, dunkle Farbe dieser Geröllwüste lässt mich an eine Mondlandschaft denken. Keine Dörfer, keine Menschen (das ist im Jemen wirklich erwähnenswert) sehen wir. Kein Auto kommt uns in den nächsten drei Stunden entgegen. Am liebsten würde ich hier übernachten und heute Abend den sicher sternenklaren Himmel bestaunen. Doch haben wir leider nur eine Matratze und einen Schlafsack. Schade. Sprachlos genießen wir die Fahrt. Da stört es auch nicht, dass die Piste brutal schlecht ist. Die Anstiege sind zum Teil enorm steil und der Allrad muss die ganze Zeit drin bleiben. Auch klappert, dröhnt und rummst es unablässig. Ab und an mache ich einen Fotostopp und schalte den Motor ab. Wenn dann das Klingeln und Rauschen in unseren Ohren abgeklungen ist, erfreuen wir uns an der absoluten Stille und an der grandiosen Aussicht.
So durchqueren wir tatsächlich noch vor Sonnenuntergang die Berge und landen in einem namenlosen Ort, nur wenige Kilometer vor Al-Ghayda. Der Ort mag zwar langweilig und nicht erwähnenswert sein, dennoch gibt es hier zu unserer Überraschung etwas ganz wunderbares: Eine Teerstrasse. Vor Schreck mache ich fast eine Vollbremsung, als wir sie plötzlich und unerwartet vor uns sehen. Vorsichtig, fast andächtig, fahre ich auf die Straße und lasse den Wagen langsam rollen. Sanft und völlig geräuschlos (nur der flatternde Fahrtwind bringt abendliche Kühle ins Auto) gleiten wir mit entspannenden 50 km/h nach Al-Ghayda. Mensch und Maschine sind erschöpft, aber sehr mit sich zufrieden.
|
mehr Bilder (70KB)
|
|
|