1. Tag

 
Die ersten paar hundert Kilometer sind wenig spektakulär, da es auf relativ guter Teerstrasse durch mir wohl bekannte Gegend geht. Nach gut 200 km habe ich die heimischen Berge hinter mir gelassen und erreiche Aden, die große, alte Hafenstadt am Indischen Ozean. Von nun an soll es parallel zur Küste Richtung Al-Mukalla, meinem nächsten Etappenziel, gehen. Nach einer kurzen Pause am Strand mache ich mich sogleich weiter auf den Weg. 

 

Siebenhundert Kilometer Teerstrasse, die auch schon bessere Zeiten gesehen hat, liegen vor mir. Die Teerstrasse ist schon ein paar Jahre alt und in einem erbärmlichen Zustand (was aber nicht daran liegt, das sie einige Jahre alt ist – im Jemen sind auch neue Strassen nach kürzester Zeit kaputt – sondern, weil es sich natürlich um eine staatliche Strasse handelt. Denn alles was in staatlicher Hand ist, wird nicht gewartet, gepflegt oder repariert – egal ob Strassen, medizinische Geräte oder Gebäude. O.K., mit Ausnahme vielleicht des Präsidentenpalastes).

Jedenfalls ist sie mit großen Schlaglöchern übersät, und als Autofahrer hat man die Wahl: entweder langsam fahren und versuchen den Löchern auszuweichen oder möglichst schnell fahren um über sie hinweg zu fliegen. Ich entschied mich für Letzteres. Zugegeben, das mit dem Darüber-Hinwegfliegen ist meine eigene Theorie, und die funktioniert auch nur wenn man einen robusten Geländewagen in tadellosem Zustand hat und kaltblütig genug ist. Dennoch muss man natürlich sehr konzentriert fahren und dann können achthundert Kilometer ziemlich lang werden. 

Aber letztendlich wird man so oder so langsamer und muss gar öfters anhalten, weil die Landschaft so großartig ist. Eine Zeit lang hat man das tiefblaue Meer auf der rechten Seite und Berge auf der linken, dann fährt man durch Sanddünen, die die Strasse zum Teil bereits zugeweht haben und danach geht es wieder hinauf durch nebelverhangene Berge aus schwarzem Lavagestein. 

 

 

 

 

 Doch auch wenn man die Strecke bereits kennt und möglichst schnell in Al-Mukalla ankommen möchte, wird man auf diesem Streckenabschnitt öfters gezwungen anzuhalten – und zwar mit Waffengewalt. Denn wie auf jeder Landstrasse im Jemen gibt es auch hier immer wieder Militärkontrollen. Nur werden hier nicht nur Personen und Papiere überprüft, sondern man bekommt zudem einen Askari, einen Soldaten, als Begleitschutz mit ins Auto gesetzt. Zumindest hier unten im Süden des Jemen gibt es aber keinen plausiblen Grund dafür, wenn man einmal von Willkür, Machtzurschaustellung und Korruption (man muss natürlich für diesen Service bezahlen) absieht. Alles im allem ist es sehr ärgerlich. Nun kann ich nicht mehr alleine essen oder schwimmen gehen, geschweige denn übernachten, wo es mir gefällt. 

Jedenfalls habe ich schlechte Laune und die wird auch nicht besser, als es dunkel wird. Denn nun sind die Schlaglöcher nicht mehr zu sehen und die Tour wird zur Tortur. Insgesamt drei Askaris habe ich heute bereits kennengelernt und deren Qat finanziert (das nervt mich am meisten), als ich am vierten Checkpoint spontan beschließe dort zu übernachten. Zu diesem Zeitpunkt bin ich bereits zwei Stunden in der Dunkelheit gefahren und ziemlich am Ende. 510 Kilometer stehen auf dem Tacho und dafür, dass ich erst mittags in Ibb losgefahren bin, ist das ganz ordentlich. Ich fahre direkt am Checkpoint an den Straßenrand, baue den Beifahrersitz aus und klappe meine Matratze aus. Für die Askaris scheint das normal zu sein und ich werde glücklicherweise kaum beachtet. Zum Essenkochen bin ich zu müde und zum Mückenjagen ebenso (die haben mir gerade noch gefehlt!), sodass ich fünf Minuten später bereits eingeschlafen bin.

 

 

mehr Bilder

(70KB)

 

 

 

 

<  Anfang

Inhalt

2. Tag >