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Die
Waschmaschine Es handelt sich hierbei um eine Industriewaschmaschine, die mindestens 20 Jahre alt ist. Eine Programmkarte, die man vorne einstecken musste, legte damals den Waschablauf fest. Doch bereits vor einigen Jahren wurde die Waschmaschine auf jemenitische Steinprogrammierung umgestellt. Auf dem Bild unten sehen wir Abdu Wahab, den Wäscher, bei der diffizilen Programmierung.
Da die Schalter und der Programmwähler nicht mehr funktionieren, muss der Stein so auf den verschiedenen Tastschaltern der Relais platziert werden, dass nicht nur der gewünschte Waschvorgang korrekt gestartet wird, sondern der Stein auch nicht umfällt und womöglich Schaden anrichtet. Vorne links sieht man das mit geschickter Ingenieurshand und etwas Verbandsmaterial befestigte Schaltwerk, im Hintergrund, an der Wand, den geöffneten Sicherungskasten. Hier wird die Maschine ein- und ausgeschaltet. Vorne, quer im Bild, der Wasserschlauch, mit dem die Waschtrommel mit vorgeheiztem Wasser geflutet wird. Die Ein- und Auslassventile sind zur Zeit leider außer Betrieb und die Heizung nicht mehr vorhanden. Ebenfalls auf der Maschine liegt die Holzlatte, mit der die Tür verriegelt wird. Nach dem Motto: „Was wackelt, bricht nicht ab“ hat man sämtliche Bauteile weitsichtigerweise nicht angeschraubt. Für die Relais reichen zur Fixierung die Kabel, für das Schaltwerk der Verband. Glücklicherweise halten sich die Vibrationen in Grenzen, da man auf das Schleudern verzichtet. Nicht, weil die Schleuder nicht funktioniert, sondern weil die Maschine beim Schleudern so stark vibriert, dass sie durch die Waschküche hüpfen würde. Man hat bis heute noch keine Zeit gefunden die Waschmaschine fest zu dübeln. Na, vielleicht in den nächsten 20 Jahren... (oder besser, ich bringe vom nächsten Einkauf 4 Schrauben und Dübel mit)
Der eigentliche Waschvorgang, also Trommel rechts drehen – stopp – Trommel links drehen, funktionierte noch vollautomatisch - bis letzte Woche. Das elektromechanische Schaltwerk wurde von Allah endgültig zu sich gerufen. Lange, durch Stöckchen und Verbandmaterial am Leben gehalten, (siehe Bild 2) konnten meine Ingenieurskollegen den totalen Exitus hinauszögern.
Als nun vor drei Tagen die traurige Botschaft vom überraschenden Schaltwerkstod bei meinen Kollegen eintraf - man befand sich gerade in einer für Jemeniten so wichtigen schöpferischen Pause (die nach der Frühstückspause und kurz vor der Fernsehpause. Also die Vormittagsfernsehpause, nicht die Nachmittagsfernsehpause, die nach dem Einkaufen und kurz vor der Ich-bin-mal-gerade-weg-Pause genommen wird) – kurzum, obwohl man gerade im Stress war und für Lappalien dieser Art nun wirklich keine Zeit hatte, nahm man sich doch die Zeit für eine spontane Ferndiagnose: „Schaltwerk kaputt, 2 Relais und ein Schalter – mindestens 100.000 Rial (600$)“ Der Fall war erst mal erledigt. Nun konnte die Bürokratiemaschinerie zum Antrag auf Bewilligung zur Beschaffung der Ersatzteile in Gang gesetzt werden und man hätte die nächsten sechs Monate Ruhe. (Un)glücklicherweise bekam ich den Vorgang mit – ich befand mich gerade bei der Reparatur eines Defis (also der Siemens-Defi, den ich noch vor der Absaugpumpe reparieren wollte, nicht der Cambridge-Defi, den ich erst nach dem Koagulierungsgerät und der Zentrifuge reparieren werde) – kurzum, ich hatte noch etwas Zeit mir den Vorgang einmal anzuschauen. Tatsächlich war an dem verschmorrten Klumpen, der einmal das Schaltwerk war, wirklich nichts zu retten und die Relais mussten schon seit längerem defekt sein. Ich erinnerte mich aber irgendwo im „Lager“ Relais gesehen zu haben und für das Schaltwerk, da war ich mir sicher, würde mir schon was einfallen. Von Wegen 600$ - das geht auch anders. Der Ehrgeiz hatte mich gepackt.
Ich ging also anschließend direkt ins Lager (direkt = 1. Direktor suchen, damit der jemanden schicken kann, der 2. den Lagermann mit dem Schlüssel sucht = also mindestens 1 Stunde Leerlauf). Tatsächlich fand ich dann nach kurzem Suchen in einem verstaubten Pappkarton einige Relais. Die mittlerweile neugierig herbeigeeilten Ingenieurskollegen erklärten mir nun lang und breit, dass diese Relais für einen Sterilisator sind und man die unmöglich in eine Waschmaschine einbauen kann. Ich ließ mich nicht beirren und machte mich auf die Suche nach einer Schaltuhr, Timer, Programmwähler oder so was in der Richtung. Fand aber nichts. Für einen Moment kam mir die Idee, eine elektronische Steuerung selber zu bauen, ich verwarf den Einfall aber wieder, da ich keine Bauteile dafür habe. Oder doch? Hatte ich nicht kürzlich von meinen lieben Exkollegen aus Deutschland ein paar Ersatzteile für einen Sauerstoffkonzentrator zugeschickt bekommen? Und war da nicht eine Steuerungselektronik dabei, die ich nicht gebrauchen konnte? Auf dieser Platine müssten eigentlich alle Teile drauf sein, die ich benötigen würde. In Gedanken bereits eine Schaltung entwerfend ging ich zurück in die Werkstatt. Tatsächlich, das Board war da und auch alles darauf, was ich brauchte. Nur so war die Steuerung nicht zu gebrauchen. Schaltungsablauf, Schaltzeiten und Schaltspannungen, die eigentlich die Ein- und Auslassventile des Konzentrators steuern, passten überhaupt nicht. Lange Rede, kurzer Sinn: Gestern, zwei Tage später, hielt ich dann eine umgebaute Konzentratorsteuerung in den Händen, die die Waschtrommel eine Minute rechts drehen lässt, eine halbe Minute stoppt, um dann wieder eine Minute andersherum laufen lässt – so wie es sein soll.
Ich bin glücklich, und meine Kollegen sind begeistert. Ich nutze ihre Begeisterung und wir besprechen zusammen die Schaltung und den Einbau in die Waschmaschine - obwohl ich befürchte, die freuen sich nur, weil ich ihnen die Arbeit abgenommen habe. Egal, alle sind zufrieden und ich habe einen neuen Freund gefunden: Abdu Wahab, unseren Krankenhauswäscher, auch wenn er in Zukunft weniger programmieren darf.
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