|
Folgendes
nur mal so... (Ein Negativbericht) Glücklicherweise war das Thema schnell vom Tisch und mir blieb es erspart, mich näher um die Sache zu kümmern und mich darüber aufzuregen. Das war vor drei Monaten.
Dann, eines schönen Tages, sah ich, wie irgendjemand einen großen Schaltkasten montierte. Da ich weder den Monteur kannte noch die Anlage identifizieren konnte, schaute ich genauer hin: Es handelte sich um eine hochmoderne (Hotel-)Telefonanlage mit allem Schnick-Schnack. Eigentlich wollte ich mich gerade aufregen, weil man mich und meine Technikerkollegen nicht in den Kauf mit einbezogen hatte, irgendwas gekauft hatte was völlig unangemessen war und weil man sicherlich wieder einen absoluten Phantasiebetrag dafür bezahlt hatte. Das Ganze natürlich wie immer ohne Garantie, geschweige denn mit Servicevertrag. Aber egal, wenigstens brauchte ich mich diesmal nicht darum zu kümmern. Dachte ich. Denn seitdem der Monteur den Kasten angedübelt und alle vorhandenen Kabel einfach abgeschnitten hatte, war komischerweise Ruhe auf der Baustelle. Seit Wochen. Tja, und vorgestern offenbarte mir mein lieber Direktor, dass sich der gute Mann aus dem Staub gemacht hat. Ich möchte das Ganze doch bitte zu Ende bringen.
"Wieso?", frage ich, "der Typ hat die Arbeit angefangen, also macht er sie auch zu Ende." "Er sagt, er hätte im Moment was anderes zu tun." "Was anderes zu tun? Der ist überfordert mit der Anlage. Der hat keine Ahnung wie man das Ding anschließt und programmiert! Sag ihm, wenn er morgen hier nicht antanzt, gibt´s keine Kohle!" "Der hat das Geld aber schon." "Das ganze Geld für die Anlage??? Dann bekommt er eben keinen Lohn!" "Den hat er auch schon. Die Hälfte." "Ihr seit bescheuert. Dann schnappst du dir eben 10 Askaris (Soldaten) und einen MG-Wagen und stattest dem Idioten einen Besuch ab." (Ist hier eine übliche Konfliktlösung. Man kann bewaffnete Soldaten stundenweise mieten) "Das geht nicht. Die Anlage ist aus Taiz (70 km von hier) und wir wissen nicht, wo der wohnt" "..." "Kannst du das mit deinen Jungs nicht einfach zu Ende machen?" "Fuad, du spinnst. Aber O.K., ich gucke mir die Anlage mal an und dann werde ich entscheiden. Und meine Jungs bekommen die andere Hälfte von dem Geld, sonst kannst du das gleich knicken."
Ich direkt zur Telefonanlage. Mein Chef und der Finanzchef (der hat mir gerade noch gefehlt) hinterher. Also, Anlage hängt noch (oh, Wunder) und verschiedene Handbücher in Englisch sind auch da (noch größeres Wunder). Die Programmieranleitung für die vielen Funktionen umfasst alleine 300 Seiten. Von einer Rufanlage nichts zu sehen. Dann der Finanzchef: "Das Mikrofon muss irgendwo sein, die Lautsprecher müssen dann in alle Zimmer und der Verstärker kommt in den nächsten Tagen" Ich: "Interessiert mich jetzt nicht. Wichtiger ist die Telefonanlage. Bevor wir da was machen, will ich erst sehen, ob die geht." Er: "Die geht." Ich: "Das will ich sehen." Er: "Ich habe es gesehen. Die geht. Der Techniker hat die ausprobiert." Ich: "Wie denn? Da sind doch nie Kabel angeschlossen worden." Er: "Die geht. Ihr könnt jetzt anfangen."
Ich dann zu meinen Kollegen in die Werkstatt. Sachlage geschildert. Die: "Wo ist das Geld? Wir wollen erst das Geld haben, sonst machen wir gar nichts." Ich: "Wir probieren ERST die Anlage aus, SONST machen wir gar nichts. Wenn das Ding nämlich nicht funktioniert, können wir das alles vergessen." Die: "Die Anlage ist kein Problem, das Geld schon." Ich: "O.K., wenn das so ist. Hier die Programmieranweisung. 300 Seiten in Englisch. Legt schon mal los.“ (Keiner spricht englisch)
Ich wieder zum Chef. Ich: "Die wollen erst das Geld." Er: "Gibt´s nicht. Die Hälfte vielleicht." Ich: "Ist O.K. Und ich brauche zwei, drei Telefone, sonst kann ich die Anlage nicht ausprobieren." Er: "Der Finanzchef sagt, die sind im Lager."
Ich wieder zu meinen Jungs. Ich: "Ihr bekommt erst die Hälfte." Die: "O.K., wir machen es." Ich: "Boh... Wir werden ERST die Anlage ausprobieren, DANN könnt ihr entscheiden. Außerdem brauche ich die Telefone aus dem Lager." Die: "O.K. Machen wir." Ich: "Aber nicht heute. Es ist bereits Feierabend und ich habe den Kanal voll."
Anderer Tag. Gleicher Ort. Ich: "O.K. Jungs. Also zuerst die Telefone." Die: "Wir machen es nicht." Ich: "?" Die: "Nisr (der Finanzchef) hat Abdullah (der Werkstattchef) beleidigt. Wir arbeiten hier überhaupt nicht mehr."
Ich zum Chef. Der lässt den Finanzchef kommen. Der klärt uns dann auf, dass tatsächlich Abdullah Geld unterschlagen hat, bzw. Geld für ein Ersatzteil bekommen hat, aber die Reparatur nicht ausgeführt hat. Geld unterschlagen ist eben eine Sache, aber jemanden seine Tat auch noch vorzuwerfen - das geht natürlich gar nicht. Fuad zitiert Abdullah herbei. Fuad: "Was ist los?" Abdullah: "Nichts." Fuad: " Ich habe gehört, Du hast Streit mit Nisr und willst nicht mehr arbeiten?" Abdullah: "Nein, wer sagt das? Es ist alles in Ordnung. Wir machen heute die Telefonanlage." Ich: "...NM...“
Szenenwechsel. Wir wieder in die Werkstatt. Ali kommt herein. Ich: "Na Ali, wo sind die Telefone?" Ali: "Es gibt keine Telefone." Ich: "Aber Nisr sagt, die Telefone sind im Lager." Ali: "Aber Ismael (der Lagerverwalter) sagt, es gibt keine Telefone."
Ich wieder zum Chef. Ich: "Im Lager sind keine Telefone." Fuad: "Dann müssen sie geklaut sein." Ich: "Oder der Finanzchef ist ein A...." Fuad ruft den Finanzchef. Der: "Dann sind sie geklaut."
Ich wieder zurück in die Werkstatt. Ich: "Die Telefone sollen geklaut sein." Die: "Kann sein, dann sind sie eben geklaut." Ich: "Glaube ich aber nicht. Geh´ doch mal einer runter ins Lager und überprüft mal die Bücher. Wenn die mal im Lager gewesen waren, muss wenigstens ein Eintrag über die Einlagerung vorhanden sein."
Halbe Stunde später kommt Ali zurück. Keine Eintragung. An Telefone kann sich auch keiner erinnern. Ich wieder zum Chef. "Fuad, die Telefone hat es nie gegeben. Der Finanzchef erzählt Scheiß." Fuad stöhnt.
Und das Ende vom Lied: Bei uns in der Werkstatt ist wieder Ruhe eingekehrt. Vielleicht könnte man meinen, wir würden auf irgendwelche Telefone, Lautsprecher, Mikrofone und Verstärker warten - aber das wäre nicht ganz richtig. Richtiger ist es wohl, dass man in den nächsten Tagen auf dem Ibber Markt eine niegelnagelneue Telefonanlage billig erstehen kann. Nur meine Kollegen haben scheinbar über die Geschichte nachgedacht. Seit gestern wollen sie keine Reparaturen mehr im Krankenhaus machen, ohne zusätzliche Bezahlung. Ich dachte zuerst mich verhört zu haben, aber es ist doch irgendwie logisch: Die bekommen jeden Monat Geld fürs Nichtstun, dann wollen sie aber erst recht was bekommen, wenn sie mal was tun müssen.
Ich also wieder zum Chef...
|
|
|