Heute mache ich Rast im Baobab Camp, irgendwo im Nichts zwischen Mikumi und Iringa, im Herzen Tansanias. Vor mir duftet eine große Kanne Kaffee. Eigentlich hatte ich nur einen Tasse bestellt, aber offensichtlich gibt es hier draußen nur Kännchen. Teilen kann ich mir die Kanne mit niemanden. Ich bin allein im Camp.
Die heutige Etappe war kurz, gerade einmal einen halben Tag lang. Aber nach den ereignisreichen 140 Kilometern von gestern und dem Zustand meines Allerwertesten ist das völlig in Ordnung.
Doch bevor ich hier tatenlos herum sitze, könnte ich ja anfangen meine Reiseerlebnisse aufzuschreiben...
Vorwort
September 2010.Ich bin wieder mit dem Fahrrad unterwegs, wieder in Afrika, diesmal von Tansania in Ostafrika quer durch den Kontinent nach Westen, nach Namibia. Ist das geschafft, soll es runter nach Südafrika gehen. In Kapstadt ist dann Schluss. Mehr Afrika gibt es dann nicht mehr. Für die geschätzten 7000 Kilometer habe ich vier Monate Zeit. Das muss reichen.
Und warum mit dem Fahrrad und warum ausgerechnet diese Strecke?
Nun, zum einen habe ich etwas Zeit. Das Entwicklungshilfeprojekt, indem ich die letzten drei Jahre in Dar Es Salaam, Tansania, gearbeitet habe, ist abgeschlossen und ein neuer Job ist noch nicht in Aussicht. Zum Anderen wollte ich schon immer einmal nach Swakopmund. Keine Ahnung warum. Während für die meisten Afrikareisende Timbuktu das Nirwana darstellt, ist es bei mir Swakopmund. Vielleicht liegt es einfach nur an dem komischen Namen. Egal, jedenfalls bin ich schon einmal in Afrika, mein Fahrrad habe ich auch bei mir und deshalb fahre ich jetzt los. Damit aber nicht immer nur der Weg das Ziel sein soll, war meine erste spontane Idee die, mich auf ein großes kühles Bier zu freuen, wenn ich einmal in der Stadt meiner Jugendträume angekommen bin. Ich fand, das ist ein guter Grund für eine Reise.
Doch wenig später änderte ich mein Reisemotto. Da nämlich diese Stadt mit dem sonderbarem Namen an der Küste Namibias, also an der Westküste liegt, muss man, um von Tansania dort hinzugelangen, ganz Afrika durchqueren. Und 'Afrika durchqueren' klingt schon mehr nach einem guten Plan, jedenfalls besser als 'Biertrinken in Swakopmund'.
Beide Staaten haben übrigens, die älteren werden sich erinnern, deutsche Kolonialgeschichte. Das Motto könnte deshalb auch lauten:
Von Tanganjika nach Deutsch-Südwest.
Einen schönen Gruß aus Afrika
Zuerst geht es quer durch Tansania, dann nach Malawi, am Malawi-See entlang und durch Sambia auf die Viktoria-Fälle zu. Anschließend nach Botswana, ins Okavango-Delta, dann durch die Kalahari nach Namibia. Von Windhoek nach Swakopmund ist es dann nur noch ein Katzensprung. Nachdem ich dort ein Bier getrunken habe, starte ich zur letzten Etappe, durch die Namib Richtung Kapstadt in Südafrika.
So zumindest der Plan...
