Südafrika – Bis zum bitteren Ende |
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Ich habe die Nase voll von Südafrika. Seit vier Tagen bin ich im Land. Jeden Tag werde ich mehrmals rücksichtslos von der Straße gedrängt und dass ich überhaupt noch in der Lage bin diese Zeilen zu schreiben, verdanke ich einzig und allein meinem Schutzengel.
Zugegeben, es liegt auch an den südafrikanischen Straßen, die wirklich die schlechtesten in ganz Afrika sind. Schlecht, nicht wegen dem Straßenbelag, sondern weil sie so gefährlich schmal sind. Sie sind so schmal, dass ich immer in den Rückspiegel sehen muss, wenn mir ein Auto oder gar ein Lastwagen entgegenkommt. Denn wenn gleichzeitig ein Auto von hinten kommt, ist nicht genug Platz. Ich verschwinde jedes Mal freiwillig im Schotter oder im Gras neben der Straße und mache Platz. Das lässt sich nun einmal nicht ändern und damit kann ich auch leben; es sind ja nur noch ein paar Tage. Aber, was mich maßlos ärgert, sind die Autos, die von hinten kommen und mir nicht einen Zentimeter ausweichen, auch wenn die Straße komplett frei ist. Das ist deshalb nicht lustig, weil hier, im Gegensatz zu Tansania, wo einem das auch passieren kann, die Täter keine klapprigen, lahmen Landrover fahren, sondern Golf, Mercedes und BMW und mit Autobahngeschwindigkeit an mir vorbeirasen. Ich bin jedes Mal geschockt und maßlos verärgert und würde wer weiß was machen, wenn ich diese Arschlöcher wenig später zu fassen bekäme. Natürlich passiert das nie.
Dass wir uns richtig verstehen, das passiert nicht manchmal, sondern dutzend Mal pro Tag. Und dass bisher nichts passiert ist, liegt daran, dass ich die Arschlöcher vorher im Rückspiegel gesehen habe und rechtzeitig die Straße verlassen konnte.
Am ersten Tag hatte ich noch die Hoffnung, nur einen schlechten Tag erwischt zu haben. Doch am zweiten, dritten, vierten Tag passierte das gleiche. Mehr noch, jetzt bin ich mit den Nerven völlig runter. Schuld daran ist diesmal ein Tankwagen.
Seit Minuten ist die Straße völlig frei und ruhig und ich vergesse für diese Zeit meinen Rückspiegel im Auge zu behalten. Was dann passiert, kann ich mir nicht erklären. Ich mache plötzlich, ohne zu wissen warum, einen Schlenker nach links, zum Straßenrand hin, als genau in diesem Augenblick der Lastzug an mir vorbeiknallt und ich von dem Luftzug vollends erfasst und in den Schotter neben der Straße geschleudert werde. Im Sturz kann ich noch erkennen, dass die Räder des Lastzuges nicht einen Moment den gelben Fahrbahnbegrenzungsstrich verlassen haben, auf dem ich vor einem Augenblick noch fuhr.
Der Sturz ist eigentlich gar nicht so schlimm, trotzdem kann ich nicht aufstehen. Ich zittere am ganzen Leib und schaffe es nicht einmal mehr Wut aufzubringen. Ich will nicht mehr. Ich will weg hier, sofort, egal wo hin.
Andere Autos rasen an mir vorbei. In Namibia hätte sicher sofort jemand angehalten, als ich so am Straßenrand liege, nicht aber hier in Südafrika. Ich beschließe im nächsten Ort ein Hotel zu nehmen und meine Tour abzubrechen. Das macht keinen Spaß mehr. Südafrika ist echt das Letzte!
Und, alles nur Einbildung? Bin ich vielleicht zu lange unterwegs und nicht mehr objektiv? Nein, es liegt nicht an mir. Der Beweis ist so offensichtlich wie simpel: Es sind die vielen Holzkreuze entlang der Straße, die mir Recht geben. Es sind Dutzende, die ich bisher gesehen habe! Wirklich, keine Übertreibung! Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Kreuze entlang einer Straße gesehen.
So, und inzwischen ist mir eine Lösung für meine Revanche eingefallen. Die Arschlöcher kann ich natürlich nie einholen, aber dann mache ich es eben auf meine Weise, auf die schriftliche. Hier also jetzt mein Gegenschlag:
Südafrika ist das Land der Arschlöcher. Nie in meinem Leben habe ich so viele brutale und hirntote Raser erlebt wie hier. Niemand nimmt Rücksicht. Alles und jeder wird niedergemacht. Freundliche Gesten, wie im Nachbarland Namibia gibt es nicht.
Falls jemand noch das Vorurteil vom blonden, arroganten Südafrikaner im Kopf hat, der alles Besser weiß und sich für den besseren Menschen hält, behaltet's im Kopf! Südafrikaner sind genauso. Südafrikaner sind rücksichtslose brutale Schweine!
Damit sind natürlich nur die Männer gemeint, weiße Männer. Von Frauen, besonders, die an den Supermarktkassen und den Hotelrezeptionen wurde ich hingegen immer sehr freundlich behandelt.
Also, ich bin noch ein paar Tage in Südafrika unterwegs, auch ohne Fahrrad. Falls ich in den nächsten Tagen auch andere, gute Erfahrungen machen werde, will ich meine Meinung gerne ändern, das Geschriebene löschen und es durch angenehme Geschichten ersetzen.
Wenn aber nichts dergleichen passiert, werde ich auch Nichts zurücknehmen, das Ganze in Englisch schreiben, mir dieses noch in Afrikaans übersetzen lassen und diese Seite dann bei allen Suchmaschinen eintragen lassen.
Es liegt an euch, Südafrikaner!
Ende gut – allles gut
Inzwischen bin ich wider erwartend gesund in Kapstadt angekommen. Die Situation auf den Straßen Südafrikas hat sich leider nicht mehr verbessert und meine Beziehung zu Südafrika ist weiterhin angespannt. Deshalb belasse ich es hiermit. Ist ja auch nicht schlimm. Es können nicht alle Länder gleich schön sein. Von den sieben Ländern, die ich durchfahren habe, war Südafrika eben nur das siebtschönste.Meine Radtour ist zu Ende. Genau 100 Tage war ich in Afrika unterwegs und habe ungefähr 6700 Kilometer abgespult (genau kann ich das nicht sagen, da man mir kurz vor Ende der Reise den Fahrradtacho geklaut hat - in Südafrika). Einen Platten hatte ich übrigens nie und genug zu Essen hatte ich auch immer. Trotzdem habe ich deutlich Körpergewicht verloren, dafür aber Kraft dazu gewonnen. Hinauf auf Kapstadts Tafelberg bin ich deshalb nicht nur zu Fuß gegangen, sonder gleich hochGELAUFEN.
In wenigen Tagen geht es zurück nach Deutschland, wo der Ernst des Lebens wartet. Vom Fahrradfahren habe ich erst einmal die Nase voll. Das war zeitweise ganz schön hart und ich habe gemerkt, dass ich keine vierzig mehr bin. Nein, genug ist genug. Ich kann mir nicht vorstellen in absehbarer Zeit noch einmal eine solche Tour zu machen.
Obwohl, ein paar Ideen hätte ich schon...

