Simbabwe – ruiniertes Land
Soll ich, oder soll ich nicht?
Wohl jeder, der im südlichen Afrika unterwegs ist, wird sich zur Zeit diese Frage stellen. Soll ich besser nicht Simbabwe besuchen, weil ich womöglich mit meinen US-Dollar, die ich mitbringe, Diktator Mugabe und sein Verbrecherregime unterstütze? Oder soll ich das Land gerade doch besuchen, weil mein bisschen Geld, das ich dalasse, vielleicht ein paar einfachen Leuten zugute kommt, da eh fast jeder in Simbabwe arbeitslos ist?
Ich entscheide mich einzureisen, obwohl ich eigentlich Simbabwe gar nicht in meiner Planung habe. Doch immer wieder habe ich in den letzten Tagen gehört, dass man den schönsten Blick auf die Victoria-Fälle von simbabwischer Seite hat. Also gut, wenn ich schon einmal hier bin, werde ich rüber fahren. Dafür will ich aber auch nur eine Nacht in Victoria Falls, der simbabwischen Stadt an den Wasserfällen bleiben und bereits am darauf folgenden Tag weiter Richtung Botswana fahren.
Victoria-Fälle, nun aber richtig
Nach meiner bisher längsten Etappe mit knapp zweihundert Kilometern nach Livingstone, kommt nun meine kürzeste, von Livingstone (Sambia) über die Brücke nach Victoria Falls (Simbabwe), mit gerade einmal dreizehn Kilometer.Die Brücke führt über den noch tosenden und schäumenden Sambesi, der Sambia von Simbabwe trennt, das ehemalige Nordrhodesien von Südrhodesien.
Früher gehörte auch Rhodesien zur britischen Krone. Weiße Siedler kamen ins Land und teilten die fruchtbarsten Teile unter sich auf. Für die Einheimischen blieb der öde Rest. Später, als Südrhodesien bereits Simbabwe hieß, versprach der Politiker Robert Mugabe den Menschen eine gerechtere Welt und eine faire Neuverteilung des Landes. Wie so oft blieb es beim Versprechen und die Landreform blieb aus. Dann, viel später, Mugabe war bereits unter Druck, löste er das Landproblem auf seine Weise. Die Weißen Landbesitzer wurden einfach enteignet und aus dem Land vertrieben. Um das Chaos perfekt zu machen, gingen die schönsten Stücke an die Mitglieder seiner Regierungspartei, die aber keine Ahnung von Landwirtschaft hatten. Das Land wurde abgewirtschaftet, die Ernten blieben aus und ein Heer von Landarbeitern stand ohne Arbeit da. Alles ging den Bach runter. Aus der einstigen Kornkammer Afrikas wurde das Armenhaus, das langsam im Chaos versank.
Ich überquere die über hundert Meter hohe Eisen(bahn)brücke, genieße von hier die phantastische Aussicht auf den Sambesi, während sich die Jugend der Welt an Gummibändern von der Brücke in die Tiefe stürzt. Jetzt werde ich mir erst einmal eine Unterkunft suchen und später zum Sambesi und den Fällen zurückkehren, diesmal aber von der richtigen Seite. Die Bungee-Jumper werden dann wohl bereits juchzend in Schlauchbooten den Fluss herunter treiben oder mit knatternden Vierrad-Motorrädern (damit sie nicht umfallen) durch die Landschaft jagen. Schade, dass ein so großartiges Naturschauspiel und Weltnaturerbe zum würdelosen Fun-Event deklassiert wird.
Na, jedem das seine. Mir jedenfalls reicht es, in der Gischt zu stehen und auf die tosenden Wassermassen zu blicken. Phantastisch! Nicht überall regnet es von Unten nach Oben oder man sieht Doppelregenbögen, wenn man in die Tiefe schaut. Zur Zeit des Vollmondes darf man auch Nachts zu den Fällen, denn dann soll sogar der Mond einen Regenbogen erzeugen. Schade, ich bin einige Tage zu früh dran, um das miterleben zu können. Nächstes Mal fahre ich langsamer.
Tatsächlich kann man von Sambia nur einen kleinen Teil der gigantischen Fälle sehen, doch von hier sieht man die Wasserfälle in voller Pracht.
Simbabwe hat sich gelohnt!

Ein Teil von 1,7 Kilometer Länge.
Geldsorgen
Mugabes Diktatur trieb und treibt Simbabwe immer weiter in die Isolation. Die Folgen sind verheerend. Hunger, Arbeitslosigkeit, Energie- und Geldmangel sind kaum mehr in den Griff zu bekommen. Mein amerikanischer Lonely- Planet-Reiseführer weißt sogar auf einem unvorstellbaren Coca-Cola-Mangel hin. Mugabe jedenfalls reagierte darauf bislang wie alle richtigen Despoten, mit Gewalt, Unterdrückung, Wahlfälschung und, um den Geldmangel wettzumachen, mit dem Drucken von mehr Geld. Es wurde Geld gedruckt, bis die Druckplatten glühten. Die Folge war der völlige Ruin Simbabwes und die Ratlosigkeit bei Reisenden, wie mir, die das Land besuchen möchten.Wie viel ist eigentlich der Simbabwe-Dollar jetzt wert? Und, gibt es ihn überhaupt noch? Wenn ja, wo tausche ich am Besten? Oder, zahle ich besser nur in US-Dollar?
Ich recherchierte vor der Einreise im Internet.
Im Januar 2008 betrug die Inflationsrate satte 100 000%. Sechs Monate später, waren es bereits 231 Millionen Prozent. Und jetzt der Knaller: Im November 2008 lag die Inflationsrate bei, jetzt kommt's: 90 Trilliarden Prozent! Für die Menschen in Simbabwe bedeutete dies, jeden Tag eine Verdopplung der Preise.
Der Simbabwe-Dollar hatte inzwischen bereits so viele Nullen, dass man im August 2008 beschloss, einfach zehn Nullen zu streichen. Doch im Dezember waren schon wieder Noten mit Milliarden-Nennwerten im Umlauf. Nur zwei weitere Monate später, beschloss man noch einmal zwölf Nullen zu streichen. Danach gab Mugabe den Simbabwe-Dollar auf und ließ den bislang verbotenen US-Dollar als Währung zu. Seit letzten Jahres gibt es den Simbabwe-Dollar nicht mehr.
Heute bezahlt man in Simbabwe mit US-Dollar. Oder in Naturalien. Wenn man in der Stadt Victoria Falls von Souvenirhändlern umringt wird, versuchen sie ihre Schnitzereien gegen gebrauchte T-Shirts oder nicht mehr benötigte Turnschuhe zu tauschen. US-Dollar werden zwar auch genommen, nur kaufen können sich die Jungs nichts dafür, weil nichts ins Land kommt.
Einen Schwarzmarkt zum Geldtauschen gibt es nicht mehr, dafür werden nun von den ehemaligen Geldwechslern die noch existierenden Simbabwe-Dollar auf der Straße als Souvenirs verkauft. Auch ich erliege der Sucht nach unermesslichem Reichtum und erwerbe für 2 USD ein Bündel Millionen und Billionen-Scheine. Ich dachte, die machen sich ganz gut in meinem Portemonnaie.

Irre auch, dass die etwas älteren Scheine noch ein Verfallsdatum hatten.
Doch der Kauf war wohl zu voreilig. Nachdem ich zehn weitere Souvenirhändler abgewimmelt habe und von meinem Einkauf zurück zum Campingplatz gehe, kann ich doch nicht widerstehen und kaufe mir für einen weiteren Dollar einen 100 Trillionenschein. Wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann wieder den Simbabwe-Dollar und dann bin ich superreich. Und dann kaufe ich mir erstmal...
